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Werner Sobek wurde vom Kurator der 15. Internationalen Architektur-Ausstellung der La Biennale di Venezia, Alejandro Aravena, eingeladen, einen Beitrag zur Ausstellung im „Arsenale“ zu leisten. Er hat hierfür einen textilbespannten Quader entworfen, der zum Teil von einem schwarzen Tuch verhüllt ist: “Beyond Form”. Werner Sobek beschreibt seine Entwurfsidee wie folgt:

“Es geht bei der Suche nach einer Architektur von morgen nicht mehr um die Suche nach der Form. Es geht vielmehr um die Beantwortung der beiden großen Fragen des zukünftigen Bauschaffens. Es geht erstens darum, angesichts der Bevölkerungsexplosion ein mehr an Gebäuden mit immer weniger Materialverbrauch bei gleichzeitiger Rezyklierbarkeit zu errichten. Und es geht, zweitens, darum, auf die Nutzung jedweder Energie, die aus dem Verbrennen fossiler Träger gewonnen wird, zu verzichten. Die enormen CO2-Emissionen, die bei der Herstellung und beim Betrieb unserer Gebäude entstehen, verschärfen das Problem der Erderwärmung in unverantwortbarer Weise.

Leider haben die meisten bislang immer noch nicht verstanden, dass die Energiewende mit den bisherigen Ansätzen scheitern wird. Zudem werden die Fragen, wie denn in den kommenden sechzehn Jahren eine gebaute Umwelt für weitere zwei Milliarden Menschen geschaffen werden soll, vollkommen negiert. Ich denke, wir können es uns nicht mehr erlauben, weitere Jahre nichts zu tun oder in Ankündigungen zu verharren. Wir müssen jetzt handeln. Auch und gerade wir als Planer.

Für die Biennale Architettura 2016 habe ich davon abgesehen, mit Zeichnungen oder Modellen aufzuwarten. Stattdessen haben wir das ägyptische Abaton, also den heiligsten Raum innerhalb eines Tempels, in den keine Tür hineinführt und in dem sich die uns für alle nie erkennbare Wahrheit befindet, in der von Schiller in seinem Gedicht „Das verschleierte Bild zu Sais“ gewählten Darstellung weiterentwickelt. Das Abaton in Venedig ist ein gewichtsminimaler Würfel aus Stoff, dessen diaphane Hülle das Abschlussdokument des IPCC in zwölf Sprachen durchschimmern und erkennen lässt. Durch die schwarze Abdeckung ist stets nur ein kleiner Teil der Wahrheit erkennbar. Der Würfel selbst hat eine Kantenlänge von 4.66920… , was der Feigenbaum-Konstante delta entspricht. Die Feigenbaum-Konstante beschreibt den Übergang eines nichtlinearen Systems von regulärem zu chaotischem Verhalten. An dieser Schwelle stehen wir.”

Weitere Informationen und mehr Bilder des Exponats finden sich hier: http://www.wernersobek.de/projekte/material-de/holz/beyond-form-biennale-venedig-2016/.